Asila                                   Abla  Ashquar  Amarilla  Ada M
Asila und ihre Fohlen von NK Hafid Jamil           Abla AHM        Ashquar         Amarilla     Ada M

Hill Dream   Sharan   Montana   Pferde
Hill Dream      Sharan            Montana                   Pferde gestern

 

Pedigree

 

Hill Dream
  Johanna und Hill Dream       Foto Martin Kubat


Hill Dream

 

Rapsbild

 

Hill Dream

 

Hill Dream

 

Hill Dream

 

Hill Dream2 

 

Eine Hymne auf Hilli
Über einen schleswigschen AA

Zur Aufklärung: Hilli heißt eigentlich Hill Dream, zeitweilig hieß er Absalons Hill Dream, und ist ein 1995 geborener angloarabischer Wallach, der im schleswig-holsteinischen Landesteil Schleswig das Licht der Welt erblickte. Dieser Landesteil war lange Jahre Hochburg einer Angloaraberzucht ganz eigener Prägung. So international bekannte Vielseitigkeitspferde wie Benedict N, Bonaparte N oder Bordou kommen aus dieser nördlichsten Ecke unseres Landes. Alle eint ihr Anfangsbuchstabe im Namen, nämlich das B für Bajar. Eine bekannte Fachautorin behauptet zwar, das seien gar keine richtigen Angloaraber, die züchte man nur in Polen oder Frankreich. Aber der sportliche Erfolg und die Abstammung, nämlich die Kombination des Blutes des Shagyas Bajar (und anderer Shagyas wie z.B. Radautz, Amor etc.) mit in der Sportpferdezucht erprobten Englischen Vollblütern beweisen das Gegenteil. Diese Pferde bestehen in internationalen Wettbewerben und brauchen sich in keiner Weise hinter den aus etablierten Angloaraberzuchten stammenden Pferden zu verstecken. Ganz im Gegenteil, so bekannte Züchter wie Christian Thoroe und Manfred Hansen haben mit Hilfe einer vergleichsweise winzigen Population eine erstaunlich große Anzahl hervorragender Sportpferde und -ponys arabischer Blutprägung gezüchtet. Übrigens war der Jahrhunderthengst Ramzes nach dem gleichen Muster gestrickt: Englischer Vollblüter X Shagya-Stute.

Hillis Name fängt nicht mit B an, denn das Bajar-Blut kommt bei ihm über seine herrliche Mutter Inka IV in das Pedigree, aber dennoch ist er ein typisches Beispiel für einen schleswigschen Angloaraber.

Zum ersten Mal gesehen habe ich Hilli sechsjährig in Neustadt/Dosse beim nationalen Championat des VZAP, wo ihn seine Aufzüchterin und Ausbilderin Petra Schöttler in einem Stil-Geländeritt der Klasse A vorstellte. Ich war schlichtweg hingerissen. Geländepferde müssen eine raumgreifende, energiesparende Galoppade haben. Hillis Galoppade war (und ist) in dieser Hinsicht einfach sensationell: Geschmeidig, mit einem atemberaubenden Raumgriff, kraftsparend und scheinbar mühelos trug er seine nicht gerade federleichte Reiterin pfeilschnell durchs Gelände und sprang jedes Hindernis ohne Zögern. Sie gewannen die Prüfung haushoch. Ich sprach Petra auf ihren Absalons Hill Dream an und meinte, daß dieses Pferd unbedingt eine Vielseitigkeitskarriere einschlagen müsse. Das tat Petra müde lächelnd ab, denn sie hatte für ihn eine Springkarriere im großen Sport im Sinn. Ich war enttäuscht und auch ein wenig skeptisch: Ein Angloaraber im großen Springsport, noch dazu in Schleswig-Holstein, wo es nur so von Holsteiner Springwundern wimmelt? Zwar führt Hilli über seine Mutter Indira IV mit Bajar und Bouquet bestes arabisches Springblut in den Adern, aber sein Vater, der Angloaraber Hill Dancer N, war nicht gerade als Springtalent bekannt, hatte dafür aber hohe Noten für seine Dressurveranlagung erhalten.

Kurz danach lernte ich Gudrun Adrion kennen und als sie mir erzählte, daß sie Anglos züchte, schwärmte ich ihr von Hilli vor, nicht ahnend, daß sie Hillis Züchterin ist. In ihrer bescheidenen Art klärte Sie mich darüber in einem versteckten Nebensatz auf (meine roten Ohren müssen bis Helgoland geleuchtet haben) und erzählte mir von Hillis Jugend. Angloaraber aus Polen und Frankreich gelten mitunter als etwas schwierig im Umgang, aber Hilli muß schon als Fohlen ein Gemütstier sondergleichen gewesen sein. Mit hängenden Ohren, sie sind etwas lang geraten, trottete er schon bei der Fohlenmusterung hinter seiner Mutter her und dachte gar nicht daran, den Stolztrab eines Arabers zu zeigen. Auch heute noch gibt es eigentlich nichts, was ihn aus der Ruhe bringen könnte. Wenn andere Vielseitigkeitspferde kurz vor dem Start in die Geländestrecke vor Aufregung beben und kaum zu halten sind, legt Hilli erst einmal ein Schläfchen ein. Das soll aber nicht heißen, daß er nicht bei der Sache sei, wenn es tatsächlich losgeht. Ganz im Gegenteil, seine Einsatzbereitschaft bis zum Letzten ist mustergültig. Aber sich deswegen vorher aufregen?
Hilli hat ein Stockmaß von gut 1,70 m, ist knochig und hat einen großen Bajar-Kopf. Je älter er wird, je mehr kommt seine Fliegenschimmelfärbung zum Vorschein.
Über Gudrun hörte ich ab und zu von Hilli. Mit der ganz großen Springkarriere wurde es nichts. Für M-Springen reichte es zwar, aber für mehr auch nicht. Aber dafür hatten auch andere Hillis eigentliches Talent entdeckt und so vermittelte ihn Peter Thomsen, ein bekannter Vielseitigkeitsreiter, nach Warendorf, wo das DOKR ein Nachwuchspferd für die Olympiareiterin Ingrid Klimke suchte. Man war von Hilli sehr angetan, aber die Ankaufsuntersuchung brachte ein niederschmetterndes Ergebnis: Eine vergrößerte Kehlkopfklappe ließ es zweifelhaft erscheinen, daß das Pferd jemals schwere Prüfungen durchstehen könnte, außerdem bestände bei dieser Disposition eine erhöhte Infektionsgefahr der Atemwege. Das DOKR nahm Abstand von einem Ankauf. Dies war unsere Stunde und so kam Hilli 2002 als Zweitpferd für unsere Tochter Johanna in unseren Stall, zunächst auf Pachtbasis, und nach einem Jahr kauften wir ihn. Sein körperliches Handikap hat ihn bis dato in keiner Weise behindert, obwohl er inzwischen schwere und lange 2-Sterne-Prüfungen gegangen ist.

Aus Johannas Zweitpferd wurde bald ihr Erstpferd. Bezeichnete das Araber Journal Johanna und ihr Pony Sputnik, ein Araber-Partbred, vor einigen Jahren als Traumpaar, so hatte Johanna das unerhörte Glück gehabt, nicht nur mit Sputnik, den idealen Gefährten für ihre Ponyzeit gehabt zu haben, sondern auch nach dem Umstieg aufs Großpferd mit Hilli bestens beritten zu sein. Sie waren u. a. Landesmeister, zweimal bei den  Deutschen Meisterschaften der Junioren-Vielseitigkeitsreiter plaziert und Vierte beim CIC2* in Bredeneek. Wenn es manchmal nicht für ganz oben auf dem Treppchen reichte, dann war meist ihrer beider Schwäche im Parcours dafür verantwortlich. Bei Hilli ist es die arabische Manier, die Beine bei durchaus vorhandenem Springvermögen gerne etwas hängen zu lassen, so dass die Stangen leicht einmal fielen, bei Johanna die Schwäche, Distanzen im Parcours passend einzuschätzen. Aber ihr Springtrainer, Landestrainer Detlef Peper, schaffte es mit viel Geduld, diese Unsicherheiten auf ein Minimum zu reduzieren.

Dafür waren Johanna und Hilli in der Dressur und im Gelände eine Bank. Hillis Grundausbildung in der Dressur wies doch gewisse Lücken auf. Aber diese Defizite wurden dank dem intensiven Unterricht bei ihrer Dressurtrainerin, Karin Lührs, Neversdorf, beseitigt. Geholfen dabei hat natürlich auch Hillis vom Vater geerbte Dressurveranlagung. Das Gerücht, Vielseitigkeitsreiten sei etwas für diejenigen, die es im Parcours oder im Dressurviereck zu nichts brächten, gehört längst der Vergangenheit an. Nur wer überdurchschnittliche Leistungen in allen drei Disziplinen aufweist, kann bei der heutigen Konkurrenz vorne mitreiten. Das gilt nicht zuletzt für die Dressur. Und die vielseitige reiterliche Ausbildung ist doch das, was vielen Reitern heutzutage häufig fehlt. Ich kenne Familien mit mehreren im großen Springsport startenden Kindern, die stolz darauf sind, keinen Dressursattel zu besitzen. Und andere, die ihren Kindern strikt verbieten, ins Gelände zu reiten. Das sei doch viel zu gefährlich. Können das noch komplette Reiter werden? Und welche Hochgenüsse der Reiterei werden diesen Kindern vorenthalten!

Hillis und Johannas eigentliche Domäne war das Cross Country. Eine Geländestrecke zu bewältigen erfordert neben Galoppier- und Springvermögen, Stehvermögen und Mut vor allen Dingen gegenseitiges Vertrauen zwischen Reiter und Pferd. Kein Pferd würde um alles in der Welt bestimmte Sprünge einer Gelände-Strecke angehen, wenn es nicht genau wüßte, das es der Reiter nur vor Aufgaben stellt, die es bewältigen kann. Oder würden Sie Arme voran ins Wasser springen, ohne zu wissen, wie tief es ist? Diese unabdingbare Voraussetzung, das gegenseitige Vertrauen, macht weitgehend die Faszination dieser Sportart aus und legt eine große Verantwortung in die Hände des Reiters. In ungezählten Aufbauprüfungen haben sich Hilli und Johanna dieses Vertrauen erarbeitet. Schritt für Schritt wurden sie vor immer neue und schwierigere Aufgaben gestellt. Dabei war Hillis wunderbarer Charakter, sein klarer Kopf, wie die Reiter sagen, eine unschätzbare Hilfe. Wenn man über mehrere Jahre beobachtet, wie wichtig Charaktereigenschaften eines Pferdes sind und wie vergleichsweise nebensächlich bestimmte körperliche Gegebenheiten, dann wird einem erst so recht bewußt, wie nebensächlich unser Schauwesen in der Araberzucht ist. Unser Augenmerk muss viel mehr auf der Rittigkeit unserer Zuchtprodukte liegen. Rittigkeit ist die Bereitschaft des Pferdes, seine Talent dem Reiter anzubieten und das tut Hilli unermüdlich. Hilli ist ein wunderbares Lebewesen und er ist ein Angloaraber wie er im Buche steht.

Johannas vorläufiges Karriereende auf Hilli war etwas traurig. Im Sommer 2007 machte sie ihr Abitur und ritt Hilli noch einmal bei den Deutschen Meisterschaften in Rodderberg. Auf der Hälfte der Geländestrecke nahm sie ihn aus dem Kurs, weil sie spürte, dass Hilli vor lauter Erschöpfung nicht mehr weiter konnte. Wie sich nach eingehender tierärztlicher Untersuchung herausstellte, litt Hilli unter einer eingeklemmten Kehlklopfklappe, die ihn an einer ausreichenden Atmung hinderte. Wir ließen ihn daraufhin in der Tierklinik Telgte operieren. Anschließend wurde er von uns monatelang gesundgepflegt. Dazu muss man wissen, dass eine Operationswunde am Kehlklopf nicht zugenäht wird, sondern langsam von innen zuwachsen muss. Das ist, wie man sich leicht vorstellen kann, eine heikle und langwierige Angelegenheit, die eine penible, mehrmals tägliche Wundversorgung erfordert. Diese Arbeit hat damals weitgehend meine Frau hingebungsvoll geleistet. Niemand hat Hilli damals ein Comeback zugetraut, die Bundes- und Landestrainer hatten ihn abgeschrieben und die nette Konkurrenz redete ihn schlecht.

Johanna hatte inzwischen mit ihrem Biologie-Studium in Bayreuth begonnen und notgedrungen die ernsthafte Reiterei erst einmal an den Nagel gehängt. Dafür fehlt Studenten nach der Bologna-Reform schlichtweg die Zeit. Auf Empfehlung unserer guten Freundin Svenja Garlichs verpachteten wir Hilli daraufhin an Alina Meister, die schon in ihrer Ponyzeit hocherfolgreich war, großes Talent für die Vielseitigkeitsreiterei zeigte und bei der der Umstieg aufs Großpferd anstand. Ausschlaggebend für unsere Wahl war aber die liebevolle Pferdehaltung von Familie Meister am Haus mit eigener Weide und Familienanschluss. Alina und Hilli passten wunderbar zusammen und wurden im Laufe der Zeit immer erfolgreicher. Das Ende ihrer Juniorenzeit krönten die beiden im Jahre 2010 mit dem Sieg im Preis der Besten und mit Einzel- und Mannschaftsgold bei den Europameisterschaften der Junioren-Vielseitigkeitsreiter vor heimischem Publikum in Bad Segeberg. Mehr kann man als Junior in der Vielseitigkeit nicht erreichen.
Hilli startete auch im Jahr 2011 unter Alina, nunmehr altersbedingt in der Klasse der Jungen Reiter. Das bedeutete, dass sich die Anforderungen für beide noch einmal deutlich erhöhten und sie sich im 2 Sterne-Bereich bewehren mussten. Da Hilli bereits unter Johanna in dieser Klasse platziert war (4. Platz beim 2-Sterne CIC in Bredeneek 2007) war das für ihn keine unüberwindliche Hürde, aber für den Reiter ist es zumindest im Kopf immer ein gewaltiger Sprung.
Die ganze Saison 2011 lief dann für das Erfolg verwöhnte Paar nicht optimal. Das ist aus den eben genannten Gründen eigentlich normal und alle gingen davon aus, dass die beiden im Jahr 2012 den Anschluss an die Spitze schon wieder finden würden. Leider zog sich Hilli dann aber im Herbst des Jahres 2011 bei einem Sturz in einer 2-Sterne Vielseitigkeit in Holland eine Verletzung am rechten Karpalgelenk zu, die von den Turnierveterinären vor Ort falsch eigeschätzt und behandelt wurde. Nur dank der Kunst eines hiesigen Tierarztes, Dr. Martens in Bockhorn, konnte Hilli nach einer dramatischen Operation und einer langwierigen Nachbehandlung soweit wieder hergestellt werden, dass er sich wieder schmerzfrei bewegen und auf Sicht auch wieder schonend geritten werden kann.
Da Hill Dream 2012 immerhin auch schon 17 Jahre alt wurde, entschlossen wir uns, ihn wieder zu uns nach Hause zu holen und ihm ein Rentnerdasein zusammen mit unseren Stuten auf der Weide zu gönnen. Das geschah an Johanns 24. Geburtstag, dem 2. Dezember 2011, und war ihr schönstes Geburtstagsgeschenk. Der Familie Meister danken wir herzlich für die liebevolle Pflege und den behutsamen und erfolgreichen Einsatz im Sport während der vergangenen drei Jahre. Genau wie wir haben sie Hilli in ihr Herz geschlossen und wir verstehen gut, dass ihnen die Trennung schwer fällt. Wer ihn näher kennt muss Hilli einfach lieben. Hill Dream hat für Alina, wie zuvor für unsere Tochter Johanna, Großes geleistet und sich den Ruhestand mehr als verdient. Sollte es irgendwann Hillis Gesundheit und Johannas Zeit erlauben, werden die beiden bestimmt noch einmal die eine oder andere kleine Prüfung bestreiten. Aber Hillis Zeit in schweren Vielseitigkeitsprüfungen ist definitiv abgelaufen.

 

Hermann Marsian